Verborgene Explosionen unter 2 Kilometern Wasser
1. Juni 2026
Jahrzehntelang gingen Vulkanologen davon aus, dass die meisten der mehreren hunderttausend Unterwasservulkane der Erde in großen Wassertiefen vergleichsweise ruhig ausbrechen. Der enorme hydrostatische Druck in mehreren hundert Metern bis Kilometern Wassertiefe galt als ausreichend, um explosive Eruptionen zu unterdrücken, sodass überwiegend effusive Lavaeruptionen erwartet wurden. Diese Vorstellung wird durch zahlreiche Kartierungen des Meeresbodens gestützt, die zeigen, dass die meisten Unterwasservulkane keine großen Krater besitzen, wie sie für explosive Ausbrüche typisch sind.
Eine neue Studie unter Leitung von Meeresgeophysiker*innen der Universität Hamburg, die jetzt in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht wurde, stellt dieses langjährige Paradigma jedoch infrage. Bei der Untersuchung vulkanischer Strukturen auf dem Azoren-Plateau im Zentralatlantik fanden die Forschenden Hinweise darauf, dass mehrere Tiefseevulkane durch hochexplosive Eruptionen in Wassertiefen von mehr als 2.000 Metern entstanden sind. Diese Ausbrüche erzeugten große Krater am Meeresboden. Gegen Ende der Eruptionen änderte sich jedoch das Eruptionsverhalten: Ausfließende Lava füllte die Krater nach und nach auf und überdeckte sie. Dadurch wurde die explosive Entstehungsgeschichte der Vulkane effektiv verschleiert. Vulkane, die heute harmlos und rein effusiv erscheinen, könnten daher in Wirklichkeit Zeugnisse gewaltiger Explosionen sein.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass explosiver Vulkanismus in der Tiefsee deutlich weiter verbreitet sein könnte als bisher angenommen. Sollte sich dies auch in anderen Regionen bestätigen, müssten bestehende Vorstellungen über die Freisetzung magmatischer Gase und Partikel durch Unterwasservulkane neu bewertet werden. Dies hätte potenzielle Auswirkungen auf marine Ökosysteme sowie auf regionale und möglicherweise sogar globale Umweltprozesse.
Die Studie findet sich hier.
