Forschungsprojekte
StudentCities
„Making markets, transforming student cities: The rise of purpose-built student accommodation in Germany and the Netherlands“ (StudentCities)
In vielen Städten weltweit mangelt es an bezahlbarem Wohnraum für Studierende. Dies stellt ein dringendes gesellschaftliches Problem bei der Chancengleichheit und dem Zugang zur Hochschulbildung in Städten mit angespannten Wohnungsmärkten dar. Vor diesem Hintergrund ist in Ländern wie Kanada, Australien oder dem Vereinigten Königreich eine Zunahme privater Investitionen in gewinnorientierte Studierendenapartments zu beobachten, welche eine eigene Anlageklasse für Investoren darstellen. In jüngster Zeit lässt sich dies auch zunehmend in kontinentaleuropäischen Hochschulstädten beobachten. Da sich die akademische Forschung bisher hauptsächlich auf Einzelfallstudien im anglophonen Kontext konzentriert hat, ist bisher nicht vergleichend analysiert worden, wie sich dieses Phänomen auf kontinentaleuropäische Städte ausweitet und damit über die traditionell stärker neoliberalisierten und finanzialisierten Wohnungsmärkte hinausgeht. Anknüpfend an diese Forschungslücke, untersucht das Forschungsprojekt die Entwicklung profit-orientierter Studierendenapartments in Deutschland und den Niederlanden aus einer wirtschafts- und stadtgeographischen Perspektive. Die zentrale Forschungsfrage dieses Projekts lautet: Warum gibt es immer mehr gewinnorientierte Studierendenapartment-Anbieter in Deutschland und den Niederlanden und wie verändern diese Hochschulstädte? Aus einer wirtschaftsgeographischen und stadtgeographischen Perspektive ermitteln wir zunächst die geographische Ausbreitung und die Organisationslogiken der Anbieter im europäischen Kontext, bevor wir uns mit geographischen Unterschieden auf verschiedenen räumlichen Maßstabsebenen in zwei europäischen Ländern befassen. Dabei untersuchen wir die Schlüsselakteure, die den Anstieg des exklusiven studentischen Wohnungsangebots in verschiedenen Städten ermöglichen oder hemmen, und zeigen auf, wie die Nachfrage nach dieser Wohnform hervorgebracht wird und was für Auswirkungen diese Entwicklung auf Hochschulstädte hat. Das Forschungsdesign basiert auf einem relational-vergleichenden Ansatz, der sowohl die (transnationalen) Netzwerke als auch die ortsbezogene Stadtpolitik analysiert, die zusammen die Räume gewinnorientierter Studierendenapartments schaffen. Dabei werden die Verflechtungen zwischen Entwicklern, Betreibern, Investoren/Eigentümern und anderen Akteuren wie Universitäten, Stadtplaner*innen, Politiker*innen/Regierungen, Studierenden, Kreditinstituten, digitalen Plattformen usw. untersucht. Dies ermöglicht ein Verständnis davon, wie, wo und warum gewinnorientierte Studierendenapartments entstehen, wer von diesen Entwicklungen profitiert und welche Konflikte und Widersprüche sich hieraus ergeben. Die Forschungsergebnisse leisten darüber hinaus einen Beitrag zu akademischen Debatten zum Wandel der Geographien der Globalisierung, der Finanzialisierung von Studierendenunterkünften und der Zukunft von Hochschulstädten.
Leitung: Prof. Dr. J. Kleibert
Projektmitarbeit: Anton Eplinius, M.Sc.; Clara Hertz, M.Sc.
Abgeschlossenes Forschungsprojekt „TRANSEDU“
In den vergangenen zwanzig Jahren ist die Zahl der Studierenden, die ein Hochschulstudium nicht in ihrem Heimatland absolvieren, stetig gestiegen. Zudem investieren viele Hochschulen in internationale Campusse im Ausland (international branch campuses, IBC). Dies sind erste Indizien für eine parallele Globalisierung wissensintensiver Wirtschaftszweige und der Universitätslandschaft. Die Leibniz Junior Research Group „Constructing Transnational Spaces of Higher Education“ (TRANSEDU) befasst sich mit diesem Zusammenhang von globalisierten ökonomischen Prozessen und der Internationalisierung der akademischen Wissenschafts- und Forschungslandschaft.
Die im Winter 2017 von Dr. Jana Kleibert wird im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens„Leibniz – Beste Köpfe“ von der Leibniz-Gemeinschaft gefördert als Junior Research Group gefördert. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die besondere Entwicklungsdynamik der Globalisierung der Universitätslandschaft zu erforschen. Diese betrifft beispielsweise die neuartigen räumlichen Formen der IBCs, die sich von teilweise von einem einzelnen Campus hin zu „Education Cities“, integrierten Bildungsstädten, weiterentwickelt haben. Darüber hinaus sind eine Reihe neuer Akteure und regionaler Fokusräume sichtbar geworden. So werden immer stärker auch europäische Universitäten in diesem Feld aktiv. Weder die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe dieser Entwicklungen noch deren Implikationen sind bisher systematisch erforscht worden. IBCs werden von der IRS-Forschergruppe als Kristallisationspunkte der Globalisierung konzeptualisiert. In humangeographisch ausgerichteten Forschungsarbeiten sollen IBCs auf unterschiedlichen Ebenen untersucht werden, die sowohl die entstehenden globalen Universitätsnetzwerke als auch die territoriale Einbettung an konkreten Orten in den Blick nehmen. Die einzelnen Promotionsarbeiten fokussieren sich auf den Wandel europäischer Internationalisierungsstrategien von Universitäten, die Einbettung von IBCs in nationale und städtische Entwicklungsstrategien, sowie der Entstehung von transnationalen Mobilitäten und Wissen innerhalb der transnationalen „Education Cities“ in den Golfstaaten und Südostasien. In den Studien werden netzwerkzentrierte und territoriale Analysen Anwendung finden, um sowohl die Einbettung der neuen internationalen Räume der Ausbildung in Netzwerken als auch die Verankerung in lokalen und regionalen Kontexten zu verstehen.
Das Forschungsprojekt mit drei Doktorand*innen wird am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung und an der Humboldt-Universität zu Berlin durchgeführt. Weitere Projektpartner sind Prof. Dr. Neil Coe von der National University of Singapore und Prof. Dr. Bas van Heur vom Brussels Centre for Urban Studies der Vrije Universiteit Brussel.
Akademische Publikationen
Kleibert, J. M., Schulze, M., Rottleb, T., & Bobée, A. (2023). (Trans-)Regional Embeddedness and the Resilience of Offshore Campuses. Regional Studies, Regional Science, 10(1), 23-32.
Bobée, A., & Kleibert, J. M. (2023). Choose France! Containment, Circulation and Postcolonial (Dis)Continuities in Transnational Education. Globalisation, Societies and Education.
Schulze, M. (2023). Embedding Offshore Campuses in Skill Formation in Singapore: From ‘Globalising’ Domestic Higher Education to ‘Localising’ Foreign Universities. Geoforum, 144, [103804].
Rottleb, T. (2023). Gateway Cities for Transnational Higher Education? Doha, Dubai and Ras al-Khaimah as Regional Amplifiers in Networks of the ‘Global Knowledge-Based Economy’. Global Networks.
Kleibert, J. M. (2022). Brexit Geographies of Transnational Education: Uncertainty, 'Global Britain' and European (Re-)Integration. Territory, Politics, Governance.
Rottleb, T., & Kleibert, J. M. (2022). Circulation and Containment in the Knowledge-based Economy: Transnational Education Zones in Dubai and Qatar. Environment and Planning A, 54(5), 930-948.
Kleibert, J. M. (2022). Transnational Spaces of Education as Infrastructures of Im/mobility. Transactions of the Institute of British Geographers, 47(1), 92-107.
Kleibert, J. M. (2021). Geographies of Marketization in Higher Education: Branch Campuses as Territorial and Symbolic Fixes. Economic Geography, 97(4), 315-337.
Schulze, M., & Kleibert, J. M. (2021). Transnational Education for Regional Economic Development? Understanding Malaysia's and Singapore's Strategic Coupling in Global Higher Education. International Journal of Training and Development, 25(4), 363-382.
Kleibert, J. M., Bobée, A., Rottleb, T., & Schulze, M. (2021). Transnational Education Zones: Towards an Urban Political Economy of ‘Education Cities’. Urban Studies, 58(14), 2845-2862.
Kleibert, J. M., & Schulze, M. (2021). EduCity in Iskandar Malaysia: Eine transnationale Bildungszone als Megaprojekt. Geographische Rundschau, 73(4), 34-39.
Schulze, M. (2021). Of Bumping and Bending: Foreign Universities' FDI Strategies in Malaysia. Tijdschrift voor Economische en Sociale Geografie, 112(2), 179-194.
Policy Paper, Berichte und Praxis
Rottleb, T., Kleibert, J. M., & Schulze, M. (2022). Developing Successful Transnational Education Hubs: Key Challenges for Policy Makers. Leibniz Institute for Research on Society and Space.
Kleibert, J. M., Bobée, A., Rottleb, T., & Schulze, M. (2020). Global Geographies of Offshore Campuses. Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung.
Kleibert, J. M., Rottleb, T., Schulze, M., & Bobée, A. (2021). Strategy First: Ten Questions to Answer before Starting an International Campus. Leibniz Institute for Research on Society and Space.
Schulze, M., & Rottleb, T. (2022). Case Study: University Offshore Campuses and the Regional Development of Iskandar Malaysia. In: J. Ilieva, N. Healey, V. Tsiligiris, C. Ziguras, P. Killingley, & W. Lawton (Hrsg.), The Value of Transnational Education Partnerships (S. 52). British Council.
Kleibert, J. M. (2022). Optimistic Postpandemic Outlooks for International Branch Campuses. International Higher Education, (109), 9-10.